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Letztes Update: 04. Nov 2019
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08.07.2020 / 02:58
 
 
Hanoi

Hanoi Altstadt Am frühen Morgen treffen wir am Flughafen von Hanoi ein. Während unsere Koffer gefühlte 100 mal ihre Runde am Gepäckband drehen warten wir auf unser Einreisevisum. "Visa on arrival" ist also definitiv nicht die beste Idee.

Unser erstes Ziel ist die Altstadt von Hanoi wo wir zunächst einmal ziellos umherstreifen. Die Altstadt nördlich des idyllischen Hoan Kiem Sees ist das Juwel der Hauptstadt im Norden des Landes. Wer in Hanoi großartige Sehenswürdigkeiten erwartet wird enttäuscht sein, vielmehr ist es der besondere Charme der die Stadt so liebenswert macht. Während sich andere asiatische Hauptstädte im schwindelerregenden Tempo zu modernen Metropolen westlicher Prägung entwickelt haben erscheint Hanoi geradezu provinziell. Nicht futuristische Bürokomplexe, sondern über hundert Jahre alte Kolonialgebäude die anstelle von Mörtel nur durch Sand, Kalk und Zuckersirup zusammengehalten werden, prägen das Bild der Innenstadt.

Vorsicht Hochspannung Auffällig und ungewöhnlich ist der Baustil der Häuser, oft nur wenige Meter breit aber dafür fast unendlich tief. Verantwortlich für diese Bauart ist das hiesige Steuersystem, denn maßgeblich für die Abgabe ist einzig und allein die Breite der Fassade. Das Gebiet der Altstadt wird auch "Die 36 Straßen" genannt, obwohl es mehr als 36 sind. Diese Zahl stammt von den verschiedenen Handwerkszünften die hier früher, jeweils in einer eigenen Gasse beheimatet waren. Noch heute sind die einzelnen Gewerke auf bestimmte Straßen konzentriert. Während man in einer Straße nur Bambusleitern und sonstige Bambusprodukte erhält, werden in einer anderen nur Eisen-, Lederwaren oder Textilien verkauft.

Sehnsucht Am Nachmittag mache ich mich noch einmal alleine auf in das Gewühl der Altstadt. Mein Ziel ist das Bia Minh, ein kleines Restaurant in der Dinh Liet mit Terrasse im 1. Stock. Dieses Restaurant war mir bereits vor 7 Jahren ans Herz gewachsen. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf das Alltagsleben, das sich auf der Straße abspielt. Das Familienleben spielt sich in Vietnam auf dem Bürgersteig ab. Da wird gespeist, die Kinder versorgt und Mopeds repariert. Als Beobachter hat man das Gefühl die vietnamesische Version der Lindenstraße live zu erleben.

Beim Weg durch die Altstadt helfen mir Erkenntnisse die ich bereits bei meinem ersten Besuch in Vietnam erworben habe. Das überqueren der Straße kostet den normalen Mitteleuropäer etwas Überwindung. Mangels Lücke zwischen den unzähligen Mopeds bleibt als einzige Möglichkeit entschlossenen Schrittes durch das Gewühl zu laufen. Dabei ist es wichtig, möglichst keine hastigen Bewegungen zu vollführen um für die anderen Verkehrsteilnehmer berechenbar zu sein.

Einsam Der Rückweg führt vorbei am idyllischen Hoan Kiem See mit seiner dominierenden "Roten Brücke der aufgehenden Sonne", die auf eine kleine Insel hinüber führt auf der sich der "Tempel des Jade-Hügels" befindet. Der Name des Sees, was übersetzt soviel wie "See des zurückgegebenen Schwertes" bedeutet, geht auf eine variantenreiche Legende zurück. Der Sage nach übergab eine riesige im See lebende goldene Schildkröte dem armen Fischer Le Loi ein magisches Schwert, welches ihn unbesiegbar machte. Er benutzte das Zauberschwert um die chinesischen Besatzer der Ming Dynastie vernichtend zu schlagen und wurde im Jahr 1428 zum König ernannt. Le Loi ernannte das Tier zum Schutzgeist des Sees und ließ aus Dankbarkeit und zur Erinnerung an dieses Ereignis auf einer kleinen Insel in der Mitte des Sees den dreistöckigen Schildkrötenturm errichten, der bis heute das Wahrzeichen Hanois ist. Das erstaunlichste an dieser Geschichte ist jedoch die Tatsache, daß im Jahre 1968 eine 2,10 m lange und 250 kg schwere Schildkröte aus dem See geborgen wurde, welche etwa 400 Jahre alt gewesen sein soll. Sie ist nun präpariert in einem Glaskasten im Tempel des Jade-Hügels ausgestellt. Diese und ähnliche Geschichten sind die Inhalte, die uns am Abend im traditionellen Wasserpuppentheater präsentiert werden.

Ho Chi Minh Mausoleum In den Straßen der Altstadt ist vom real existierenden Sozialismus nichts zu spüren. Erst bei der Besichtigung des Ho-Chi-Minh Mausoleums wird es einem sofort wieder bewusst wenn beim Übertreten einer Sperrlinie ein lauter Pfiff aus der Pfeife eines Wächters ertönt. Da der guter alte Ho-Chi Minh zum Zeitpunkt unsers Besuches wieder einmal aufpoliert werden mußte blieb mir dieses Mal das endlose Anstehen in Zweierreihen erspart. Architektonisch erinnert das Mausoleum des ehemaligen Staatsoberhauptes stark an das Pendant von Mao Tse Tung in Peking.

Literaturtempel Wir schlendern noch ein wenig durch den Präsidentenpalast und Ho-Chi-Minh Haus bevor wir uns zum Literaturtempel begeben. Van Mieu, so der vietnamesische Name, ist nicht nur die größte und schönste Tempelanlage der Stadt, sie ist auch die älteste Universität des Landes. Der Literaturtempel wurde im Jahre 1070 zu Ehren der chinesischen Philosophen Konfuzius errichtet.

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